Was sagen Expert*innen, Wirtschaftstreibende und Stakeholder?
Herausforderungen für das Ökosystem
Der Wirtschaftsstandort Linz verfügt über starke industrielle und technologische Grundlagen, steht aber gleichzeitig vor tiefgreifenden und notwendigen Veränderungen: Geopolitische Krisen, internationale Wettbewerbsdynamiken, rasche technologische Entwicklungen, Implementierung der Klimaziele und der demografische Wandel sind Einflussgrößen, die die Rahmenbedingungen wirtschaftlicher Entwicklung nachhaltig verändern.
Die Ergebnisse der umfassenden Analyse des Ökosystems im Wirtschaftsraum Linz-Wels zeigen drei zentrale Herausforderungen und damit einhergehend Möglichkeiten für eine zukunftsorientierte Entwicklung:
Erstens steigt der Druck auf industrielle Standorte durch internationale Standortkonkurrenz und Transformationskosten. Gleichzeitig bieten diese Entwicklungen die Chance, den Wirtschaftsraum strategisch zu positionieren - insbesondere in den Feldern, wo industrielle Kompetenz mit Digitalisierung und nachhaltigen Technologien zusammenkommen. Internationale industrielle Wertschöpfungsketten verändern sich zunehmend. Für den Wirtschaftsraum Linz wird es daher wichtiger, bestehende industrielle Stärken weiterzuentwickeln, neue technologische Kompetenzen aufzubauen und die wirtschaftliche Diversifizierung voranzutreiben.
Zweitens entstehen derzeit am Standort Linz wenige (semi-)radikale Innovationen und technologieorientierte Ausgründungen. Das Innovationssystem ist derzeit auf inkrementelle Innovation - also die ständige und schrittweise Optimierung etablierter Produkte und Dienstleistungen - sowie die Weiterentwicklung vorhandener Technologien ausgerichtet. Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können und Arbeitsplätze der Zukunft zu sichern, braucht es ein Innovations-Ökosystem, das neue Technologien, neue Produkte und neue Märkte stärker ins Blickfeld nimmt. Analysen zeigen Entwicklungspotenziale im Innovations- und Startup-Ökosystem, insbesondere im Vergleich mit anderen Ökosystemen wie etwa rund um die Technische Universität München (TUM). Vor allem technologieorientierte Ausgründungen, internationale Skalierung sowie die intensivierte Zusammenarbeit zwischen Startups, Forschung und Industrie haben großes Potenzial am Standort Linz.
Drittens verschärfen Fachkräftemangel, Internationalisierung und steigende Anforderungen an Digitalisierung und Nachhaltigkeit den Wettbewerb um Talente und Investitionen. Dafür braucht es qualitative Ausbildungsplätze, Perspektiven und Netzwerke für Gründer*innen genauso wie eine Kultur der Zusammenarbeit. Klare politische Prioritäten, internationale Vernetzung und eine strategische Ausrichtung über institutionelle und überregionale Ebenen hinweg gewinnen zunehmend an Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Dafür braucht es eine aktive Positionierung des Wirtschaftsraums Linz nach außen, um internationale Sichtbarkeit zu erlangen und damit Investitionen wie Fachkräfte stärker anzuziehen. Um Fachkräfte zu halten, braucht es den Ausbau der Lebensqualität in der Stadt und eine zukunftsorientierte Haltung, mehr Weltoffenheit sowie eine Kultur des Anpackens, die Innovation und Zukunftsvertrauen stärkt.
Der Wirtschafsstandort aus Sicht der Unternehmen
Im Herbst 2025 wurden Linzer KMU befragt, wie sie den Standort Linz und ihre geschäftlichen Perspektiven bewerten. Positiv für den Unternehmensstandort Linz ist die hohe generelle Zufriedenheit von 70 %. Der Ausblick ist durch die schwache wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre gedämpft: 37 % der Unternehmen erwarten eine (eher) positive Entwicklung in den kommenden fünf Jahren, während rund 27 % von einer negativen Entwicklung ausgehen.
Als wesentliche Alleinstellungsmerkmale des Standorts Linz (USP) werden die Industrie, die positive Standortentwicklung sowie die gute Verkehrsanbindung genannt. Dahinter folgen mit großem Abstand weichere Faktoren wie das gute kulturelle Angebot, das vielfältige Stadtbild und die Nähe zur Natur sowie infrastrukturelle Vorteile und die hohe Lebensqualität in Linz. Genannt werden auch der innovative, kreative und moderne Geist mit vielen Startups oder etwa die Nähe zu guten Aus- und Weiterbildungsstätten in und um Linz.
Die Ergebnisse zeigen auch differenzierte Wahrnehmungen nach Unternehmensgröße und Branche. Größere Betriebe bewerten den Standort insgesamt positiver, während kleinere Unternehmen sowie Betriebe aus Handel und Baugewerbe kritischer urteilen als etwa Unternehmen aus der IT- und Technologiebranche. Befragt nach den wichtigsten Standortfaktoren werden folgende Punkte genannt:
Die Zufriedenheit mit der „technischen Infrastruktur" in Linz ist mit 70 %, die eher oder sehr zufrieden sind, sehr hoch. In den Feldern „Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte", ,,Preisniveau der Gewerbeflächen" und „effiziente Verwaltung (z.B. Genehmigungen)" zeigen sich mit jeweils rund 40 % die höchsten Unzufriedenheitswerte.21 Als größte Herausforderungen für die nächsten fünf Jahre nennen Linzer KMU die Entwicklung der Arbeitskosten sowie die Gewinnung von Fachkräften.
Konkret nach Verbesserungen für den Standort Linz gefragt, haben die Unternehmen zahlreiche Vorschläge eingebracht. Um Fachkräfte zu gewinnen, wird die Schaffung von leistbarem Wohnraum durch gemeinnützige Wohnbauträger als wichtigste Maßnahme genannt. Weiter geht es um leistbare Wohnangebote für Auszubildende, wie Unterkünfte für Mitarbeiter*innen oder Studierenden- und Lehrlingsheime sowie eine Ausweitung der Unterstützungsangebote für Fachkräfte aus dem Ausland.
Ein wichtiger Punkt in den Rückmeldungen sind Verkehrskonzepte und Mobilitätsformen. Hier zeigen sich sehr unterschiedliche Bedürfnisse: Der Wunsch nach Park-&-Ride-Anlagen an den Stadteinfahrten, dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs, der Verbesserung der Radinfrastruktur und der Attraktivierung der Innenstadt für Kund*innen steht der Kritik, dass die Nutzung von PKW erschwert wird und dem Wunsch nach mehr Parkplätzen in unmittelbarer Nähe des stationären Handels gegenüber.
Im Umgang mit der Verwaltung wünschen sich Unternehmen mehr Bürger*innennähe und Nachvollziehbarkeit, wobei bereits erfolgte Digitalisierungsschritte positiv gesehen werden.
Die Ergebnisse der Analysen und die Rückmeldungen aus der Befragung zeigen die wichtigsten Herausforderungen für den Standort Linz auf. Sie sind wirtschaftspolitisch relevant, weil die Wahrnehmungen verschiedene für die wirtschaftliche Entwicklung relevante Parameter beeinflussen, wie zum Beispiel:
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