Wie entstehen Innovation, Wachstum und neue Wertschöpfung im Großraum Linz?

 

Aus Ideen wird Wertschöpfung durch Zusammenarbeit: Ein starkes Innovations-Ökosystem verbindet Unternehmen, Forschung, Gründungen und Kapital.

WiP Bruecke

Eine starke industrielle Basis prägt die wirtschaftliche Struktur am Standort Linz. Dazu kommt eine überdurchschnittliche Konzentration an Großbetrieben, die als Leuchttürme für Beschäftigung, Wertschöpfung und internationale Wettbewerbsfähigkeit fungieren. Diese Unternehmen bilden das Rückgrat des Standorts. Die Ökosystemanalyse für den Großraum Linz zeigt sowohl stabile Voraussetzungen als auch klare Entwicklungspotenziale. Starke Industrie und leistungsfähige Universitäten sowie Fachhochschulen schaffen eine gute Basis für die Weiterentwicklung bestehender Technologien und industrieller Innovation.

Aber im internationalen Vergleich entstehen am Standort Linz noch zu wenige wachstumsstarke Unternehmen und technologieorientierte Ausgründungen (Spin-offs) aus Wissenschaft und Forschung. Ein Großteil der Innovationsaktivitäten konzentriert sich stark auf die Weiterentwicklung bestehender Technologien. Semi-radikale und radikale Innovationen entwickeln sich hingegen häufig außerhalb etablierter Strukturen oder werden von Einzelpersonen bzw. oft von Startups getragen.

Linz verzeichnet eine wachsende Gründungsszene. Ein aktuelles Beispiel für das vorhandene Potenzial ist die Übernahme des KI-Startups Emmi.AI durch das französische KI-Unternehmen Mistral. Die Transaktion stärkt den Standort Linz, denn sie bringt neben Investitionen auch Sichtbarkeit als relevanten Akteur auf europäischer Ebene. Der Erfolg von Emmi.AI basiert auf der DeepTech-Forschung zu KI an der JKU.

Diese positive Nachricht ist ein Hinweis auf das Entwicklungspotenzial in der Region. Der Startpunkt eines Startup-Ökosystems sind die Universitäten und Fachhochschulen – exzellente Forschung ist oft der Ausgangspunkt für ein Unternehmen und damit für die Arbeitsplätze von morgen. Innovationen entstehen, wenn Universitäten und Fachhochschulen, Unternehmen, Kapital und Talente in räumlicher Nähe zusammenarbeiten. Ein effektives Startup-Ökosystem bringt Industrieunternehmen, technologieorientierte KMU, Startups, Universitäten und Fachhochschulen, Investor*innen, Förderstellen und Verwaltung sowie die Zivilgesellschaft zusammen. Jede dieser Gruppen erfüllt eine spezifische Rolle. Für den Erfolg ist entscheidend, wie gut die Akteur*innen miteinander verbunden sind.

Ein Vorzeigebeispiel für ein vitales Startup-Ökosystem ist die Technische Universität München (TUM). Sie bietet mit ihrem international anerkannten Entrepreneurship Studierenden, Mitarbeitenden, Wissenschaftler*innen sowie Alumnae, die mit ihrer Idee oder Technologie ein Unternehmen gründen wollen, ein umfassendes Portfolio an Emmi.AI ist ein wachstumsstarkes Unternehmen in Linz, welches auf Deeptech-Forschung zu KI an der JKU basiert. Zwischen industrieller Stärke & Transformation Unterstützungsleistungen (von Beratung bis zu Finanzierung und Fast-Track-Verfahren für Nutzung universitärer Intellectual Properties). So ist über die Universität hinaus ein dynamisches Ökosystem entstanden, das die TUM-Startups unterstützt.

Der Großraum Linz hat die besten Voraussetzungen für ein funktionierendes Startup-Ökosystem. Sehr gute Universitäten und Fachhochschulen (z. B. JKU, IT:U, FH Oberösterreich, etc.) mit innovativen Studienprogrammen ziehen eine wachsende Zahl an Talenten an. Kooperationen zwischen Universitäten, Fachhochschulen und Unternehmen bestehen bereits und können insbesondere im Feld der (semi-)radikalen Innovation ausgebaut werden. Vor allem in den Zukunftsfeldern Industrial Intelligence und Clean Technologies wird Kooperation zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Innovation entwickelt sich zunehmend an den Schnittstellen zwischen industrieller Kompetenz, Digitalisierung, KI, nachhaltigen Technologien sowie interdisziplinären Perspektiven aus Kreativwirtschaft und gesellschaftlicher Innovation. Ein effektives Startup-Ökosystem ist so auch in der Lage neue Zukunftsfelder zu erkunden und zu erschließen.

Bei den Zugängen zur Finanzierung besteht insbesondere in der Skalierungsphase junger Unternehmen Aufholbedarf. Es gilt, vor allem technologieorientierten Spin-offs Zugänge zu Finanzierungen zu ermöglichen sowie die Skalierung junger Unternehmen weiter zu stärken. Ziel muss es sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, die experimentelle, risikoorientierte und wachstumsstarke Innovation ermöglichen. Expert*innen gehen davon aus, dass für den Aufbau eines nennenswerten forschungsgetriebenen Startup-Ökosystems rund eine Milliarde Euro für einen Zeitraum von zehn Jahren nötig ist.

Um ein zukunftsfähiges Startup-Ökosystem aufzubauen, braucht es daher gemeinsame Anstrengung von Bund, Land und Stadt, den Universitäten und Fachhochschulen, Unternehmen, Investor*innen und der Zivilgesellschaft.

Aufbauend auf diesen grundsätzlichen Zielen und auf die strategische Ausrichtung des Startup-Ökosystems, beschreibt dieses Kapitel die wesentlichen Bestandteile des Systems: von der Stärkung der Gründungskultur in unserer Stadt, um mehr Menschen für Unternehmer*innentum zu begeistern, über die Vernetzung der Akteur*innen bis hin zur strategischen Entwicklung von Räumen, die Innovation begünstigen:

Strategische Maßnahmen zum Thema Innovation

Startup-Ökosystem gemeinsam stärken

Ziel ist es, ein Unicorn aus dem Startup-Ökosystem Linz zu generieren, 30 Gründungen pro Jahr aus den Universitäten und Fachhochschulen anzustoßen und eine Milliarde Euro an Kapital für einen Startup- und Scaleup-Fonds über zehn Jahre hinweg zu mobilisieren.

  • Umsetzung des Startup- & Scaleup- Dachfonds der Bundesregierung aktiv unterstützen und den Zugang Linzer Startups zu neuen Finanzierungsinstrumenten erleichtern (Instrument des Bundes; Expert*innen empfehlen, für die Ausstattung bestehende Werte der ÖBAG für die Arbeitsplätze von morgen zu „recyceln“)
  • Verbesserte Rahmenbedingungen für Ausgründungen aus Universitäten und Fachhochschulen unterstützen, z. B.: praktikable Modelle für Gründungskarenz, Rückkehr und Beteiligung. Forscher*innen und Schlüsselpersonen erhalten so Spielräume für Gründungen, ohne ihre wissenschaftlichen Karrieren zu gefährden. Unternehmertum wird damit zur realistischen Option für Top-Talente.
  • Intellectual Property (IP)-Management von Universitäten und Fachhochschulen vereinfachen. Wir unterstützen Initiativen für Standardverträge, klare Zeitrahmen und Fast-Track- Lizenzierungen (z. B. First-use-then-pay), die Verhandlungskosten reduzieren und die Erfolgswahrscheinlichkeit von Spin-offs erhöhen.

Finanzierung und Wachstum ermöglichen

Innovative Unternehmen benötigen Zugang zu Netzwerken, Beratung und Finanzierungsmöglichkeiten, um sich am Standort entwickeln und international wachsen zu können.

  • Gründer*innen-Stipendium weiterführen bzw. weiterentwickeln (Founders Scholarship)
  • Stärkere Vernetzung mit nationalen und internationalen Investor*innen z. B. durch Startup-Investor-Matchmaking Days
  • Verbindung zum Scale-up Europe Fund (EIC) herstellen
  • Investor*innen-Roundtables organisieren, um etablierte und potenzielle Investor*innen zusammenzubringen

International öffnen

Internationale Vernetzung gewinnt unter den aktuellen Herausforderungen an Relevanz. Innovationsstandorte konkurrieren weltweit um Talente, Kapital und neue Technologien. Offenheit gegenüber internationalen Gründer*innen, Investor*innen und Kooperationen wird damit zu einem wichtigen Standortfaktor.

  • Startup Guide Linz & Startup Guide Europe weiterhin unterstützen
  • Internationale Startup-Residencies prüfen
  • Mehrsprachige Beratungsangebote ausbauen
  • Teilnahme an europäischen Innovationsnetzwerken und Einreichung von gemeinsamen Förderanträgen
  • Kooperationen mit (inter-)nationalen Innovationshubs und Startup-Ökosystemen stärken (z. B. IC Innovation Hubs, WeXelerate, WERK1 München), siehe: Bridge Office in der Tabakfabrik.
  • Gemeinsame Austauschformate mit Linzer Unternehmen und Start-ups aus anderen Ökosystemen.

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