Im Gespräch mit ... INDIMA
Die INDIMA Skillbridge GmbH ist ein junges, gründergeführtes Unternehmen mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Die Kernkompetenz liegt in der Validierung von Qualifikationen von Menschen mit internationalem Hintergrund, die in ein anderes Land immigrieren. Mit einer KI-gestützten Software unterstützt INDIMA die Anerkennung und den Vergleich von Qualifikationen aus über 210 Ländern und Regionen.
Internationalisierung ist dabei das Herzstück des Produktes: Die Lösung wird weltweit genutzt, insbesondere von Menschen, die in Europa, den USA oder den Golfstaaten studieren oder arbeiten möchten. Emin Vojnikovic, Mitbegründer und CPO (Chief Product Officer) von INDIMA, stand der Abteilung Wirtschaft und Innovation der Stadt Linz Rede und Antwort.
Integration internationaler Fachkräfte als Unternehmensmission
Lena Maria Bichler, Projektmanagerin für Innovation der Stadt Linz: „Wofür steht euer Unternehmen? Was ist eure Firmenphilosophie?“
Emin Vojnikovic, Mitbegründer und CPO der INDIMA Skillbridge GmbH: „Wir sehen unsere Kernkompetenz in der Integration von Menschen mit internationalem Background, die in ein anderes Land immigrieren. Diese Menschen unterstützen wir in der Anrechnung der erworbenen Kompetenzen aus dem Herkunftsland.“
Bichler: „Das klingt nach einem globalen Ansatz. Welche Rolle spielt das Thema Internationalisierung bei INDIMA? In wie vielen Ländern seid ihr bereits mit eurer Lösung vertreten?“
Vojnikovic: „Ich würde sagen, Internationalisierung ist der Kern unseres Produktes, denn wir beschäftigen uns mit diversen internationalen Qualifikationen, aus aller Herren Ländern. Wir haben eine Datenbank mit über 210 verschiedenen Ländern und Regionen, die wir aktiv mit unserer Software unterstützen. Derzeit wird das Produkt hauptsächlich international von Menschen genutzt, die entweder in Europa, in den USA oder in den Golfstaaten studieren oder arbeiten möchten.“
Bichler: „Gehen wir mal im Detail auf euer Produkt ein. Wie würdest du jemandem der sich noch nie mit INDIMA auseinandergesetzt hat, erklären, womit ihr euch befasst?“
Vojnikovic: „Man kann sich das folgendermaßen vorstellen: Menschen, die im Ausland studiert haben, sei es in asiatischen Ländern, afrikanischen Ländern, in den USA, müssen, wenn sie nach Europa, oder nach Österreich kommen, ihre erworbenen Qualifikationen einem Vergleich unterziehen. Bei diesem Vergleich wird geklärt, ob das Bildungsniveau dasselbe ist wie zum Beispiel in Österreich. Hier kommt INDIMA richtig zum Tragen, denn unser Hauptprodukt ist es, mit Hilfe einer KI-gesteuerten Software, diese Qualifikationen zu vergleichen und im besten Fall herauszufinden, hey, diese Qualifikation, die in den USA erworben worden ist, ist genauso viel wert wie jene Qualifikation, die in Österreich erworben worden ist.“
INDIMA als Antwort auf komplexe Anerkennungsprozesse
Bichler: „Ein sehr spannendes und auch den Zeitgeist treffendes Konzept! Warum liegt euch denn genau dieses Thema bzw. diese Innovation so am Herzen?“
Vojnikovic: „Damals, in der Gründungsphase des Unternehmens, das war im Jahr 2023 bei der Ideenwerkstatt von Update Social an der Johannes Kepler Universität, ging es um verschiedene Problemstellungen im Sozialbereich. Die Fragestellung, die uns schlussendlich am meisten gepackt hat damals, war die Fragestellung, wie können wir hochqualifizierte Migranten und Migrantinnen am schnellsten in den österreichischen Arbeitsmarkt integrieren. Georg Simonyan, mein Mitbegründer, hat selbst einen Migrationshintergrund. Ich selbst ebenso, jedoch in zweiter Generation, daher kenne ich das Thema ebenfalls aus meiner Familie. Georg hat selbst im Ausland Jus studiert und ist nach Österreich gekommen, hat hier das gesamte Studium nachholen müssen und somit den kompletten Anerkennungsprozess rund um seine Qualifikationen hautnah miterlebt. Er war es auch, der schlussendlich identifizieren konnte, dass das Hauptproblem bei den langen Bearbeitungszeiträumen liegt.“
Bichler: „Wie genau kann man sich dieses Problem in der Praxis konkret vorstellen?“
Vojnikovic: „Man muss sich vorstellen, damit man die meisten Qualifikationen, die es rund um die Welt gibt versteht, benötigt man enormes Expertenwissen. Meistens gibt es spezialisierte Personen für spezielle Gebiete. Gerade in Krisensituationen, durch welche viele Menschen auf einmal aus einem gewissen Gebiet einwandern, kann diese eine Person, welche die Expertise aufweist, schnell mit der Auftragslage überfordert sein. Wir von INDIMA haben uns folglich gedacht – da muss es doch einen schnelleren Weg geben, diese ganzen Qualifikationen auf denselben Nenner zu bringen – so ist unser Geschäftsmodell dann ins Rollen gekommen.“
Erfüllende Momente durch weltweite Nutzung
Bichler: „Demnach sind es vor allem auch die positiven sozialen Aspekte dahinter, auf die ihr stolz seid nehme ich an?“
Vojnikovic: „Menschen in eine neue Gesellschaft oder in die neue Heimat zu integrieren oder jemandem zu helfen, ins Studium im Ausland einzusteigen, ist der soziale Impact, den wir auf die Menschen haben. Ich glaube, ein stolzer Moment ist immer, wenn wir sehen, wie die Leute unser Produkt wirklich nutzen. Wir habe gratis Tools auf unserer Webseite, aber auch Paid Services, mit denen man dann konkret seine Zertifikate vergleichen kann. Das Besondere ist einfach mitzubekommen wie monatlich tausende Menschen aus Pakistan, aus Indien, aus Nigeria, aus Ghana unsere Software nutzen und wir diesen Menschen helfen, obwohl wir nicht einmal direkten Kontakt zu ihnen haben.“
Attraktivität für internationale Talente als Schlüssel
Bichler: „Wow, das klingt tatsächlich nach einer sehr erfüllenden Mission. Beeindruckend das so ein Unternehmen „made in Linz“ ist. Was schätzt ihr denn am Standort Linz?“
Vojnikovic: „Ich finde, Linz hat einen spannenden Mix aus starker Industrie, technologiebasierten Unternehmen, starker Forschungseinrichtungen im Technologiebereich und einer florierenden Start-up-Szene.“
Bichler: „Was denkst du, welche Faktoren werden entscheidend sein, um Linz auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu halten, im Vergleich mit anderen Städten und Regionen?
Vojnikovic: „Ich glaube, die Attraktivität für Talente, die nach Linz kommen wollen sollte höchste Priorität haben. Linz ist nicht die größte Metropole mit den meisten Einwohnern, was mit sich bringt, dass kein riesiger Pool an Talenten am Standort wächst, sondern man auch die Talente aus anderen Regionen und auch Ländern anziehen muss. Ich finde Linz hat wirklich sehr gute Services zur Unternehmensgründung. Es gibt wirklich viele Angebote die man als Gründer*in nutzen kann, angefangen mit den Wirtschaftsservices der Stadt Linz, bis hin zu tech2b die tatkräftig unterstützen. Ich bin des Weiteren der festen Überzeugung, dass der Wirtschaftsstandort Linz in einem Jahrzehnt ein noch größerer Innovations-Hotspot in Europa sein wird, als er es ohnehin schon ist.“
Bichler: „Und wo siehst du INDIMA in diesem Zeitraum?“
Vojnikovic (schmunzelt): „Als weltweit führende Plattform für Anerkennung von Qualifikationen.“
Interaktive Projekte, Beteiligungsformate und Hinweise zu unseren Veranstaltungen findest du auf