Im Gespräch mit ... Scheidt & Bachmann Österreich GmbH
Scheidt & Bachmann entwickelt, produziert und wartet am Linzer Standort im Südpark Eisenbahnleit- und Sicherungstechnik. 35 Mitarbeitende sorgen hier dafür, dass Züge sicher und pünktlich unterwegs sind. Angesiedelt ist das Unternehmen seit Mitte 2009, mit Zubauten 2014, 2022 und 2023.
Die Firmenphilosophie fasst CEO Thomas Wiener in drei Punkten zusammen: höchste Qualität, laufende Weiterbildung der Mitarbeitenden und Nachhaltigkeit. „Wenn wir heute Technologie verbauen, ist es gar nicht möglich, dass man die nach drei oder fünf Jahren wieder entsorgt, sondern unsere Produkte sind mindestens ein Vierteljahrhundert im Einsatz.“ Von Linz aus wird der österreichische Markt bedient, als Gruppe ist Scheidt & Bachmann europaweit in der Signaltechnik tätig.
Seit 25 Jahren Vorreiter der Digitalisierung
„Das, was uns ganz besonders am Herzen liegt, ist ein Schlagwort, das heute sehr häufig gebraucht wird: die Digitalisierung." Neu ist das Thema für Scheidt & Bachmann allerdings nicht. Schon vor einem Vierteljahrhundert begann das Unternehmen, in der Eisenbahnleit- und Sicherungstechnik digitale Technologie einzuführen, und zwar genau dort, wo das Unternehmen besonders stark ist: im Regionalbahnbereich und beim technischen Schutz von Eisenbahnkreuzungen. Scheidt & Bachmann ist in diesem Bereich Vorreiter und ist es geblieben, aufgrund von stetiger Weiterentwicklung ihrer Technologie.
Was das konkret bedeutet, erklärt Wiener so: „Wir haben heute eine Technologie zum Schutz der Benutzer*innen von Eisenbahnkreuzungen, für die Leute, die im Zug sitzen, genauso wie für die Straßenbenutzer*innen, die vollkommen digital und dadurch für unsere Kund*innen wartungsfrei ist“. Entscheidend ist aber etwas anderes: „Seit wir das Produkt in Österreich einsetzen, hatten wir noch nie wegen eines technischen Gebrechens einen Unfall."
Jede Eisenbahnkreuzung in Österreich ist per Gesetz gesichert: manche mit Stopptafeln, viele mit Technik, also mit Lichtsignalanlagen, auf stärker befahrenen Straßen zusätzlich mit Schranken. Das ist eines der Kernprodukte des Linzer Standorts. Dazu kommt die Stellwerkstechnik, mit der der Zugverkehr überhaupt erst gesteuert wird: „Ein Komplettpaket." Dahinter liegen Fahrpläne und Zugtrassen, die abgearbeitet werden müssen. Wer 300 Züge am Tag über ein Gleis führt und dazwischen zahlreiche Kreuzungen sichern muss, braucht ein System, in dem alles lückenlos zusammenspielt.
Sichtbar ist davon nichts, und genau das ist der Punkt. „Es muss nicht nur Sicherheit bieten, sondern auch dafür sorgen, dass Verfügbarkeit gegeben ist", betont Thomas Wiener. Was passiert, wenn die Technik ausfällt, sieht man, wenn ein großflächiger Funkausfall stattfindet: Stehen die Züge stundenlang, trifft das nicht nur Reisende, sondern auch alle, die auf den Güterverkehr angewiesen sind. „Eine funktionierende Logistik ist für ein positives Wirtschaften ganz essenziell."
Bilder: Scheidt & Bachmann Österreich GmbH / Stadt Linz
Von der Strecke in die Zentrale: Wenn vier Menschen schaffen, wofür es früher 60 brauchte
Wie weit die Digitalisierung inzwischen trägt, zeigt sich an der Betriebsführung. In Linz betreiben die ÖBB eine Betriebsführungszentrale, von der aus nicht nur der Linzer Bahnhof, sondern ein großer Teil des Streckennetzes gesteuert wird. Für die Regionalbahnen entstehen eigene Regionalbahn-Betriebsführungszentralen, eine davon ist derzeit in Wels am Entstehen. „Aufgrund dessen, dass wir mittlerweile so einen hohen Digitalisierungsgrad erreicht haben, können wir das auch zentralisieren", erklärt Wiener.
Dahinter steckt mehr als klassische Kostenoptimierung. Die Kund*innen von Scheidt & Bachmann kämpfen wie viele Unternehmen damit, überhaupt Personal zu finden. „Wenn wir heute mit der Technologie nicht in der Lage sind, unseren Kund*innen ein entsprechendes Angebot zur Rationalisierung zu bieten, dann können sie irgendwann keinen Zugbetrieb mehr machen, weil sie das Personal nicht mehr haben." Technologie wird damit zur Voraussetzung dafür, dass Regionalbahnen überhaupt weiterfahren können.
Wie groß der Hebel ist, macht ein aktuelles Projekt deutlich: die Salzkammergutbahn. 100 Kilometer Strecke, ein Ausbau, der sich über mehrere Jahre zieht. Ist der Bau abgeschlossen, werden vier Fahrdienstleiter*innen genügen, um die gesamte Strecke zu bedienen. Früher waren dafür rund 60 Personen im Einsatz.
Dass dabei Arbeitsplätze verschwinden, sieht Thomas Wiener differenziert: Bei vielen dieser Tätigkeiten habe es sich nicht um qualitativ hochwertige Jobs gehandelt. Eine Person, die den ganzen Tag nichts anderes tat als eine Schrankenanlage auf- und zuzumachen, wird heute an anderer Stelle dringender gebraucht. Aus der Digitalisierung wird so kein Selbstzweck, sondern ein doppelter Gewinn: mehr Sicherheit und Verfügbarkeit auf der Schiene und Fachkräfte, die dort eingesetzt werden können, wo ihr Können wirklich zählt.
Angekommen im Südpark – und aus guten Gründen geblieben
Dass Scheidt & Bachmann heute in Linz sitzt, hat historische Wurzeln: Gestartet wurde mit einem Team aus der VA Technologie AG. Nach einem kurzen Zwischenstopp in St. Florian fiel die Entscheidung rasch, wieder nach Linz zu gehen. „Die Grundstücke, wo wir heute die Immobilie gebaut haben, haben damals der Stadt Linz gehört. Über die Grundstückspreise ist die Betriebsansiedelung gefördert worden – und das haben wir damals genützt." Aus dem Auslöser wurde eine dauerhafte Verbindung: mehrfach erweitert und heute gut ausgelastet.
Geblieben ist das Unternehmen aus handfesten Gründen. „Wir bekommen in der Regel schon das Personal, das wir brauchen", sagt Wiener. Viele der Elektroingenieur*innen kommen aus der HTL in der Paul-Hahn-Straße. Auch die Beziehung zur Stadt zählt: „Für mein Empfinden hat die Stadt Linz nach wie vor eine tolle Beziehung zur Wirtschaft und zu den Betrieben." Das passende Umfeld sei in Linz also gegeben.
„Ein Herz aus Stahl": Warum es das Gesamtpaket Linz braucht
Was es braucht, damit der Standort langfristig wettbewerbsfähig bleibt, denkt Thomas Wiener über den Betrieb hinaus und macht aus seiner Verbundenheit kein Geheimnis: „Ich habe ein Herz aus Stahl, was man als Stahlstadtkind sagen darf." Bildungseinrichtungen und ein passendes Angebot für Betriebe seien die Basis, entscheidend sei aber das Gesamtpaket. „Linz ist eine pulsierende Stadt. Das passiert aber nicht von selbst." Dazu gehören leistbares Wohnen, für das aus seiner Sicht mit dem sozialen Wohnbau in Linz viel richtig gemacht wurde, und ein lebendiges Kulturangebot. Denn wer sich das Leben in einer Stadt nicht leisten kann, kommt gar nicht erst und steht später nicht als Arbeitskraft zur Verfügung.
Ein Gegenbeispiel liefert er mit: In Deutschland werde überlegt, eine Betriebsführungszentrale aus München ins Umland zu verlegen, weil dort keine Fahrdienstleiter*innen mehr zu finden sind. „Da sind wir in Linz in einer doch sehr guten Situation." Kein Wunder also, dass Scheidt & Bachmann sich in Zukunft noch stärker am Standort Linz verankert und weiterhin so erfolgreich am österreichischen Markt sieht.
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