Im Gespräch mit ... Vresh GmbH
Die Vresh GmbH aus der Linzer Tabakfabrik steht für eine nachhaltige und faire Revolutionierung der Modebranche. Das Unternehmen verfolgt das Ziel, entlang der Lieferkette faire Arbeitsbedingungen zu schaffen und ressourcenschonend zu arbeiten. Im Mittelpunkt stehen langlebiges Design und leistbare Produkte, denn nachhaltige Mode soll für alle zugänglich sein.
Das Unternehmen setzt sich für faire Preise entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein, von den Produktionspartner*innen bis zu den Endkund*innen. Täglich wird hinterfragt, wie Prozesse nachhaltiger und effektiver gestaltet werden können, und wie das Bewusstsein für den Wert von Kleidung gestärkt werden kann. Im Vresh Shop im „Haus Smart“ der Tabakfabrik, stand Michaela Geiseder, Geschäftsführerin des Labels, der Wirtschaftsabteilung der Stadt Linz, Rede und Antwort.
Kundennahe Beratung und innovative Tools für bewussten Konsum
Am Standort Linz sind acht Personen beschäftigt, die verschiedene Bereiche wie Marketing, Fulfillment und Kundenservice abdecken. Der Großteil des Umsatzes wird derzeit online erzielt. Trotz der geringeren Stückzahlen werden Rücknahmen entsprechend den gesetzlichen Vorgaben angeboten, jedoch setzt das Unternehmen hier verstärkt auf Aufklärung und Transparenz, um Retouren zu minimieren.
„Auf der Website finden sich umfangreiche Informationen zu Maßen, Models die die Kleidung tragen und Größen sowie ein Größenfinder, der gestützt durch künstliche Intelligenz die passende Passform empfiehlt.“, erklärt Geiseder. So sollen bewusste Kaufentscheidungen gefördert und unnötige Retouren vermieden werden.
Gelebte Verantwortung für das europäische Textilhandwerk
Der Fokus des Unternehmens liegt derzeit auf dem deutschsprachigen Raum, insbesondere Deutschland und Österreich. In diesen Märkten liegt laut der Geschäftsführerin noch großes Potenzial. Die Produktionspartner*innen befinden sich hauptsächlich in Portugal und zum Teil in Polen. „Ein besonderes Anliegen ist es, das europäische Textilhandwerk zu erhalten und den Partnerbetrieben eine langfristige Perspektive zu bieten.
Da eine vollständige Textilproduktion in Österreich bereits nicht mehr möglich ist, setzt es sich Vresh zur Aufgabe mitzuhelfen zu verhindern, dass das Textilhandwerk durch Abwanderung nach Asien verloren geht.“, merkt Geiseder an, als wir auf das Thema der konkurrierenden Billiganbieter zu sprechen kommen.
Transparente Lieferkette: Zusammenarbeit mit Familienbetrieben in Portugal
Ein weitere Besonderheit von Vresh besteht darin, dass man auf Transparenz und Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette setzt. „Wir arbeiten mit zahlreichen Familienbetrieben im Norden Portugals zusammen, die alle Produktionsschritte – vom Weben des Stoffes über das Färben, Zuschneiden und Nähen bis hin zum Waschen und Verpacken – in einem Umkreis von etwa 50 Kilometern abdecken. Diese enge Zusammenarbeit ermöglicht es, faire Bezahlung und sichere Aufträge zu gewährleisten.“, erzählt uns Michaela Geiseder voller Begeisterung.
Man kennt hier die meisten Personen beim Namen und Probleme werden gemeinsam gelöst, da Partnerschaften Augenhöhe und gegenseitigem Vertrauen basieren. Im Gegensatz zu großen Konzernen, bei denen meist Preisdruck und Unsicherheit herrschen, steht bei Vresh die Förderung langfristiger Beziehungen im Mittelpunkt. So wird das Netzwerk in Portugal kontinuierlich gestärkt, um die qualitativ hochwertige Produktion am Standort Europa zu erhalten.
Netzwerk und Partnerschaften als Basis für nachhaltige Mode
Die Koordination der Produktion erfolgt zentral aus Linz, unterstützt von zwei Koordinatorinnen vor Ort in Portugal. Die Kommunikation findet regelmäßig und engmaschig statt, sowohl digital als auch bei persönlichen Besuchen. Diese Besuche sind essenziell, um die Produktionsschritte besser zu verstehen, Details abzustimmen und das Netzwerk weiterzuentwickeln. Jede Kollektion entsteht in Co-Kreationsprozessen und profitiert vom Wissen und der Erfahrung vieler Beteiligter. So wird deutlich, wie viele Menschen und wie viel Handarbeit in jedem einzelnen Produkt stecken.
Geiseder erklärt: „Bis zu 40 oder 50 Personen können an einem T-Shirt beteiligt sein. Diese Wertschätzung für das Handwerk und die beteiligten Menschen prägt das Selbstverständnis von Vresh und hebt die Produkte von industrieller Massenware ab.“ Das Linzer „Tabakfabrik Original“ zeigt, dass nachhaltige Mode auf Basis partnerschaftlicher Zusammenarbeit, Transparenz und Wertschätzung für alle Beteiligten möglich ist. Jedes Produkt ist das Ergebnis eines starken Netzwerks und vieler Hände – und genau das mache den Unterschied.
„Macherstadt Linz“: Kurze Wege, kreative Vielfalt und Entwicklungspotenzial
Der Standort Linz überzeugt für Michaela Geiseder „durch kurze Wege – geografisch als auch menschlich.“ Die Stadt vereint das Gefühl eines Dorfes mit urbaner Vielfalt, fördert Austausch und Zusammenarbeit statt Konkurrenz. „Besonders wertvoll ist die Mischung aus Industrie, Kreativität und einer lebendigen Kulturszene, die Linz zu einer echten „Macherstadt“ macht.“, fügt sie hinzu.
Für die Tabakfabrik als kreativer Hotspot wünscht sich Vresh mehr Sichtbarkeit und bessere Anbindung, um ihr Potenzial als Stadtteil voll zu entfalten. Für die Zukunft sind außerdem eine noch stärker ausgebaute Infrastruktur und attraktive Lebensräume entscheidend, damit Linz weiterhin Menschen anzieht und als besonderer Standort wahrgenommen wird. Geiseders Schlussworten, „Das Anderssein von Linz ist dabei ein echter Antrieb und Vorteil!“, bleibt nichts hinzuzufügen.
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